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CL - Pseudotuberkulose

Deutlich ist unter dem rechten Ohr dieser jungen Ziege aus Rheinland-Pfalz eine Beule zu sehen.
Bis das Stadium des Tieres auf dem folgenden Bild erreicht wird könnten möglicherweise nur wenige Tage vergehen.
   
Diese Jungziege aus Rheinland-Pfalz hat einen Abszess unter dem linken Ohr, der in Kürze aufplatzen wird. Zusätzlich ist an der Halsunterseite unter dem Abszess eine weitere Beule zu sehen. Kleinere, auf diesem Bild nicht sichtbare Beulen, waren auf der anderen Halsseite zu finden.
   

Diese schon ältere Ziege von uns wurde durch den Zukauf von 2 erkrankten Jungziegen aus Bayern infiziert.

Das was hier passiert, sollte man unbedingt vermeiden.
Ein unwissender Tierarzt eröffnete den Abszess und lies den Abszessinhalt in die Einstreu unseres Stalles laufen.
Als Folge erkrankten insgesamt 3 weitere Ziegen bei uns, die alle getötet werden mussten.

Durch unser damals fehlendes Wissen über diese Krankheit verloren wir ein Drittel unseres Bestandes.

 Die anschließende Sanierungszeit zog sich über 2 Jahre hin.

   

 

 

 

Die Pseudotuberkulose ist eine der wichtigsten Erkrankungen bei Ziegen und als Zonose auch für den Menschen höchst gefährlich.
Es handelt sich um eine bakterielle Infektion, die sich im Lymphsystem festsetzt und dort auch jegliche Antibiotikabehandlungen übersteht.
Jegliche Behandlungsversuche bleiben damit erfolglos.
Will man seine restlichen Tiere schützen, muss man ein solches Tier bei den ersten Anzeichen sofort aus der Herde entfernen und "entsorgen".

Den Anfang machte in den Niederlanden (Angaben aus Ziegenzucht, Christian Gall, 2. Ausgabe) scheinbar die Kooperation "Almathea" in Brabant mit damals 62 Mitgliedern und 6800 Milchziegen. Die Milch wäre ohne dieses Sanierungsprogramm von den Molkereien nicht abgenommen worden.
Das Programm bestand zunächst aus dem Merzen aller sichtbar erkrankten Ziegen und der serologischen Untersuchung aller Tiere >= 6 Monaten mit dem bekannten ELISA-Test auf Antikörper. Der Test wurde nach weiteren 6 Monaten und dann nach 1 Jahr wiederholt. Zeigten sich keine weiteren positiven Tiere wurde auf einen 2-jährigen Untersuchungszyklus umgestellt.
Wie effektiv diese Maßnahme war, zeigte sich im Ergebnis:
Waren am Angang der Maßnahme 11,3% der Tiere positiv, so waren nach 7 Jahren alle 11000 Ziegen ohne Befund!


In den Niederlanden werden die Ziegen nun schon seit vielen Jahren zusammen mit der CAE auch gegen diese Krankheit untersucht.
Diese Untersuchung erfolgt durch den Tiergesundheitsdienst (GD) in Deventer.
Dazu müssen in durch das Programm vorgegebenen Zeitabständen die Tiere serologisch auf Antikörper untersucht werden.
So wie man dies auch vom Test auf CAE kennt. Die Betriebe erhalten dann das Zertifikat "CL-free".


Seit einiger Zeit gibt es auch in der Schweiz ein Monitoring. Dort werden die Herden 1 x jährlich durch einen Tierarzt abgetastet. Eine serologische Blutuntersuchung auf Antikörper erfolgt aber nicht. Optisch unverdächtige Betriebe erhalten ein entsprechendes Zertifikat.

Auch in Bayern hatte man ein solches freiwilliges Monitoring gestartet. Was aktuell daraus geworden ist, ist mir aber nicht bekannt.

Leider wird dieser Erkrankung in Deutschland nicht die gleiche Bedeutung wie der CAE zugemessen. Die Beweggründe sind sicher vielfältig und vermutlich deutlich finanziell begründet. Besonders häufig scheint diese Krankheit bei den Burenziegen vorzukommen. So sah man auch schon auf Ziegenschauen und Auktionen in Deutschland eindeutig erkrankte Tiere, die auch zum Verkauf angeboten wurden. In 2012 sind mir in 3 Betrieben in Spanien je 1 Ziege die in Rheinland-Pfalz gezüchtet wurde, mit eindeutigen Anzeichen aufgefallen.

 

Häufigkeit der Erkrankungen:
Laut "Christian Gall" (Holstadt 1986) waren wild lebende Ziegen in Afrika zu 6% und in Australien zu 7,8% infiziert.
Da Ziegen Herdentiere sind und immer wieder zusammen kommen, verschwindet die Krankheit deshalb nicht von selbst und je höher die Bestandsdichte, desto höher ist auch der Prozentsatz der erkrankten Tiere.
In einer norwegischen Intensivhaltung waren bei 26% der Tiere Knoten der Lymphbahnen tastbar und 26 bis 99% der Tiere serologisch positiv.

Inkubationszeit:
Die Inkubationszeit wird für CAE mit 2 bis 4 Monaten und für CL mit 2 bis 6 Monaten angegeben.

Infektionswege
Es scheint 2 bedeutende Infektionswege zu geben:

  • Durch Schmierinfektion, wenn sich das Tier an kontaminierten Gesgenständen scheuert.
    In aufplatzenden Abszessen erkrankter Tiere befindet sich eine enorme Menge dieses Bakteriums.
    Die Erreger werden auf alles übertragen, mit dem das Tier in Kontakt kommt.
    Das können Fressfanggitter, aber auch jede andere Scheuermöglichkeit in der Umgebung der Tiere sein.
    Durch immer vorhandene kleinste Hautrisse dringt das Bakterium dann in das nächste Tier ein.
    Sichtbare Knoten und sich daraus entwickelnde Abszesse erscheinen vorwiegend unter dem Ohr und am Halsbereich.
     
  • Die Milch erkrankter Ziegen enthält ebenfall erhebliche Mengen dieses Bakteriums.
    Trinkt nun ein Lamm (oder auch ein Mensch) diese Milch, dann erfolgt eine Infektion über das Verdauungssystem.
    Auf diesem Infektionsweg scheint es zunächst zum Befall des Lymphsystems der inneren Organe zu kommen.
    Äußerlich sichtbare Knoten erscheinen scheinbar recht spät. Vorwiegend im Bereich Euter, aber auch am übrigen Körper.

Untersuchung
In Deutschland gibt es zumindest das Labor IVD-Hannover, das serologische Blutuntersuchungen schnell und kostengünstig durchführt.
Die Blutproben werden, wie von dem Test auf CAE bekannt, mittel ELISA-Test auf Antikörper durchgeführt.
Die Zuverlässigkeit dieser Teste sind zwar allen Fachleuten bekann, aber aus welchen Gründen auch immer, erzählen einige Ziegenhalter in Deutschland, dass die Tests auf CL nicht zuverlässig wären.

Hier ein Link zu einem solchen Labor : http://www.ivd-gmbh.de
Ein Beispiel: Am Morgen wurden bei unseren Tieren vom Tierarzt die Blutproben gezogen und am gleichen Nachmittag noch mit der Post versendet.
Bereits am Nachmittag des übernächsten Tages erhielten wir das Untersuchungsergebnis als PDF-Datei per Email und ein paar Stunden später auch die Rechnung als PDF-Datei auf gleichem Wege. 20€ für die Untersuchung von 2 Tieren ist gut angelegtes Geld.


Tierkauf
Wir raten jedem Käufer zur Absicherung durch Einhaltung folgender Vorgehensweise:

  1. Die komplette Herde des Verkäufers anschauen und auf Auffälligkeiten achten. Auf jeden Fall das neue Tier am ganzen Körper auf verdächtige Vedickungen abtasten.
  2. Wenn irgend möglich nur Tiere von Züchtern kaufen, die entweder ein Zertifikat wie die Niederländer "CL-free" oder etwas Ähnliches und Laborergebnisse ihres eigenen Tierbestandes vorweisen können.
  3. Für jedes Tier, das >= 6 Monate alt ist, ein eigenes CL-Untersuchungsergebnis verlangen.
  4. Unbedingt möglichst große räumliche Trennung neu zugekaufter Tiere von der eigenen Herde und Haltung unter Quarantänebedingungen.
  5. Erneute Untersuchung auf CL, bevor das fremde Tier in die eigene Herde integriert wird.
  6. Im schriftlichen Kaufvertrag ein Rückgaberecht vereinbaren, wenn das neue Tiere nach einem solchen Test "positiv" ist.